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Das Licht soll weiter brennen

Der Steckborner Galerist Walter Wild hat letztes Jahr seinen Job bei der Bernina an den Nagel gehängt. Jetzt will er sich nur noch der Kunst widmen – und der Entwicklung Steckborns.
Für fast alles gibt es ein Vorher und ein Nachher. Für den Steckborner Walter Wild, Besitzer der Galerie 418, endete das Vorher Ende Oktober letzten Jahres, als er nach 42 Berufsjahren bei der Bernina ausschied, um sich ganz der Malerei widmen zu können. Seine Kindheit und Jugend wurde entscheidend durch den frühen Tod des Vaters geprägt. «Mein Vater starb, als ich vier Jahre alt war», erzählt Wild. «Zu meiner Mutter hatte ich immer eine sehr enge Beziehung.» In der Schule sei er ein Lümmel gewesen, und die Malerei habe keine Rolle gespielt. Eine Heirat sei für ihn kein Bedürfnis gewesen, denn «es gab so viele Aktivitäten, die ich nicht aufgeben wollte». Aber heute sagt er auch: «Obwohl ich gut allein sein kann, finde ich es jetzt schön, eine Lebenspartnerin gefunden zu haben, um ‹den Rucksack› gemeinsam zu tragen.»

«Absolut links gestanden»
1965, mit 16 Jahren, trat er eine vierjährige Lehre als Feinmechaniker bei der Bernina an. 1972 kündigte er, weil er mehr Freiheit wollte: «Ich bin zu den kommunistischen Jugendfestspielen nach Ostberlin gefahren, politisch habe ich damals absolut links gestanden.» Ihn habe die Philosophie des Kommunismus interessiert. Aber die Ernüchterung sei rasch gekommen: «Meine Vorstellungen haben sich immer weniger mit der Wirklichkeit gedeckt. Heute denke ich anders, aber diese Jahre waren eine wichtige Erfahrung in meinem Leben.» Der Ausflug von 1972 in die Freiheit war bereits nach drei Monaten vorbei. Walter Wild besuchte einen Kollegen bei der Bernina und wurde sofort wieder eingestellt: «Eigentlich wollte ich nur zwei bis drei Jahre bleiben und dann woanders hingehen.» Daraus sind 42 Jahre geworden.
Die «linken Jahre» waren beendet, als Wild ein Büchlein von Hesse in die Hand bekam. «Mir ist eine neue Welt aufgegangen.» Ein weiterer Schritt sei die Entdeckung des Schachspiels gewesen: «Ich habe mit grosser Leidenschaft jede freie Minute gespielt und an Turnieren teilgenommen.» Schach habe ihn nachhaltig geprägt, und über dieses Spiel sei er zur Kunst gekommen.
Die Entwicklung zum Künstler begann Anfang der Achtzigerjahre durch die Zusammenarbeit mit dem Fotografen Manfred Rüedi, mit dem er heute die Galerie 418 betreibt. Er habe dessen Fotopapier-Ausschuss zu Collagen verarbeitet. Die Malerei packte ihn, als er den Bündner Künstler Jean Brütsch kennen lernte: «Von ihm habe ich viel gelernt.» Und schnell sei Gewissheit gewesen: «Das ist mein Weg, den ich gehen muss.» Seine erste Ausstellung hatte er Ende der Achtziger im Steckborner Café Meier. Der nächste Schritt: 1992 gründete er mit Walter Rüedi und anderen die Galerie 418. Ihr Ziel war es, «ein Licht anzünden». Für die Kunst und für Kunstschaffende. «Das wird auch so bleiben.»
Und Wilds Pläne? Neben Malerei und Schachspiel möchte er mehr filmen und sich für die Entwicklung Steckborns einsetzen. Und auch das sagt er: «Ich geniesse es, an einem schönen Tag einfach mal am See zu sitzen. Ich habe viel an Lebensqualität gewonnen.»
(TZ, 8.1.2008, Louise Jochims)

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